Viel mehr als dicke Tropfen.

Regen

Regen

Regen. Öl auf Leinwand
Bild: Regen, Öl auf Leinwand, 40 x 60 cm, 2012

Regen ist ganz klar viel mehr als eine ökologische Notwendigkeit, die man über sich ergehen lassen muss.

Ohne Regen keine Pfützen!

Ich gebe zu, dass ich als Kind eine wesentlich größere Faszination für Pfützen hatte und heutzutage selten den Impuls verspüre, die Tiefe einer Pfütze mit meinen eigen Beinen zu messen (das letzte Mal unfreiwillig in einer stinkenden Schlammpfütze beim Paintball) oder unter der Wasseroberfläche verborgene Schätze (Kronkorken etc) aus den Tiefen des Pfützenbiotops ans Tageslicht zu förden.

Doch ich habe eine Lieblingspfütze. Das in „Tim Taylor für Arme“ Manier konstruierte Flachdach des Nachbarhauses ermöglicht eine mehrere Quadratmeter große Pfützenkultur mit mehrwöchiger Lebensdauer. Es ist schön, diese Pfütze von meinem Balkon aus zu beobachten, denn sie lockt Vögel an, die dort halt Vögeldinge tun: trinken, plantschen, singen, quatschen, zanken. Toll!

Neben „Liebe, liebe Sonne, komm ein bisschen runter, lass den Regen oben, dann wollen wir dich loben!“ war „Es regnet, es regnet die Erde wird nass…“ zur Kindergartenzeit eines meiner Lieblingslieder. Regen war eine fantastische Gelegenheit am Fenster zu stehen, konzentriert nach draußen zu schauen und die eigenen Wetterbeschwörungskräfte zu trainieren. Und es ist wirklich überwältigend oft erfolgreich gewesen. Nach dem Regen kam die Sonne. Fast immer! Ein gutes Gefühl.

Regen ist Amors Assistent!

Folgende Situation: zwei Menschen spazieren draußen herum. Es ist das erste, zweite, dritte Date oder so. Jedenfalls ist noch nichts gelaufen, obwohl jetzt eine oder beide Personen der Ansicht sind, dass da jetzt endlich mal was passieren muss. Und dann fängt es plötzlich an zu regnen! Was ein Glück! Einer der beiden hat klugerweise einen Schirm dabei (es ist wichtig, dass nur einer einen Schirm hat, sonst funktioniert die ganze Chose nicht) und schwupps ist eine der günstigsten Gelegenheiten geschaffen, dem Anderen ganz unverfänglich auf die Pelle zu rücken und die vom Regen geschaffene Intimität zu seinen eigenen Gunsten zu nutzen. Protipp: Wetterapp und Regenradar zur Dateterminfindung konsultieren. Schirm mitnehmen.

Menschenkenntnis

Zusammen unterm Schirm ermöglicht sich zudem noch die Gelegenheit herauszufinden, wie der andere so tickt. Er hält den Schirm möglichst so, dass er nicht nass wird, während man selbst an der eigenen rechten oder linken Schulter schöne dunkle, wachsende Regentropfenmuster beobachten kann? Aha, ein Egoist. Sie will ihren Schirm partout nicht loslassen, obwohl der andere Schirmpassagier wesentlich größer ist und somit die Runde um den See in gebückter Haltung absolvieren muss? Oh je, da hat wohl jemand Angst loszulassen oder die Kontrolle zu verlieren. Die andere Person hakt sich spontan unter, weil es ist ja eng und man spart so Platz, kann zudem die Schritte besser synchronisieren? Sehr gut, da könnte Sympathie im Spiel sein. Meine Beobachtungen und Schlüsse dieser Art basieren nicht auf den Erkenntnissen aus streng kontrollierten Brigitte-Persönlichkeitstests, daher keine Gewähr.

Bei Regen hilt ein Schirm auch, die eigene Wohlfühlkörperdistanz zu visualisieren. Ich würde ja zu gerne gelegentlich meinen Schirm beim Straßenbahnfahren aufspannen….

mmmmhhh

Mit das Beste am Regen ist jedoch der Geruch. Die Welt riecht für eine halbe Stunde lang wieder sauber, manchmal sogar nach Petrichor. Neben „Regen auf Waldboden“-Geruch (dafür gibt es noch keinen wissenschaftlichen Namen, oder?) einer der betörendsten Naturdüfte überhaupt.

Es regnet, es regnet, es regnet seinen Lauf!<br /> Und wenn's genug geregnet hat, dann hört's auch wieder auf! - Kinderlied aus dem 19. Jahrhundert